Auch Maklerverträge können widerrufen werden

Bei Immobiliengeschäften gibt es häufig nach Vertragsabschluss Streitigkeiten mit Immobilienmaklern um den Maklerlohn. Was dabei mitunter schnell übersehen wird: Auch beim Maklervertrag kann sich der Kunde unter Umständen mit dem „Widerrufsjoker“ gegen Ansprüche des Maklers verteidigen.

Maklervertrag kann Fernabsatzvertrag sein

Zum einen kann ein Maklervertrag – je nach Vertriebsstruktur – einen Fernabsatzvertrag darstellen (§ 312c BGB). Das hat der Bundesgerichtshof 2016 ausdrücklich bejaht und ausführlich begründet (BGH, Urteil vom 07. Juli 2016 – I ZR 30/15). Der Maklervertrag kann also, wenn er als Fernabsatzvertrag abgeschlossen wird, widerrufen werden wie eine gewöhnliche Online-Bestellung.

Der BGH entschied auch, dass der Makler nach Widerruf des Maklervertrages auch nicht nach § 312 e Abs. 2 BGB a.F. Wertersatz verlangen könne.

Maklervertrag außerhalb von Geschäftsräumen

Außerdem kommt es nicht selten vor, dass ein Maklervertrag zu Hause beim Kunden unterschrieben wird. Nach einer Entscheidung des LG Tübingen steht dem Verbraucher auch dann ein Widerrufsrecht nach §§ 312b Abs. 1 S. 1 Nr. 1, 312g Abs. 1 BGB zu, wenn der Vertragsschluss in den Räumlichkeiten des Verbrauchers erfolgt ist, nachdem der Verbraucher den Unternehmer dorthin bestellt hat. Dies gilt nach Auffassung des LG Tübingen auch dann, wenn die vorangegangenen Vertragsverhandlungen in den Räumlichkeiten des Unternehmers stattgefunden haben (LG Tübingen, Urteil vom 19. Mai 2016 – 7 O 20/16).

Maklervertrag – Widerruf möglich

Wenn ein Maklervertrag also als Fernabsatzvertrag (§ 312c BGB) oder als Vertrag außerhalb von Geschäftsräumen (§ 312b BGB) abgeschlossen wurde, hat der Verbraucher die Möglichkeit, den Maklervertrag zu widerrufen.

Die Widerrufsfrist beträgt grundsätzlich 14 Tage und beginnt mit Vertragsabschluss zu laufen, § 355 Abs. 2 BGB.

Aber: Wenn der Makler den Kunden nicht (oder falsch) über sein Widerrufsrecht belehrt, kann der Kunde bis zu 12 Monate und 14 Tage nach Vertragsschluss widerrufen (§ 356 Abs. 3 S. 2 BGB).