Welche Unterschiede bestehen zwischen Gewährleistung und Garantie?

Die Begriffe „Gewährleistung“ und „Garantie“ werden im allgemeinen Sprachgebrauch oft vermengt oder verwechselt. Es handelt sich jedoch um zwei grundverschiedene Dinge mit unterschiedlichen rechtlichen Folgen. In diesem Beitrag erfahren Sie, worin sich Gewährleistung und Garantie unterscheiden.

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Was versteht man unter Gewährleistung?

Unter der Gewährleistung versteht man die gesetzlichen Ansprüche eines Käufers bei Mängeln der Kaufsache. Die Gewährleistung ergibt sich aus dem Gesetz (§§ 434 ff. BGB). Zentrale Vorschrift ist § 433 Abs. 1 S. 2 BGB, der die Pflichten des Verkäufers wie folgt regelt:

„Der Verkäufer hat dem Käufer die Sache frei von Sach- und Rechtsmängeln zu verschaffen.“

Den Verkäufer trifft bei einem Kaufvertrag also die Pflicht, dem Käufer mangelfreie Ware zu übergeben. Ist die gekaufte Ware bei Gefahrübergang (das ist regelmäßig der Zeitpunkt der Lieferung) mangelhaft, kann der Käufer auf die gesetzlichen Mängelansprüche, also die sog. Gewährleistungsansprüche geltend machen. Die gesetzlichen Gewährleistungsansprüche sind:

  • Nacherfüllung (Reparatur oder Ersatzlieferung)
  • Minderung des Kaufpreises
  • Rücktritt vom Kaufvertrag
  • Schadensersatz

Wann ein Mangel vorliegt, ist in den §§ 434, 435 BGB geregelt.

Lesen Sie hierzu auch den Beitrag „Die Gewährleistung beim Kaufvertrag„.

Was versteht man unter Garantie?

Unter einer Garantie versteht man eine vertraglich eingeräumte freiwillige Leistung des Garantiegebers gegenüber dem Käufer, die über die gesetzliche Gewährleistung hinausgeht. Die Garantie wird in § 443 BGB erwähnt, aber darin nicht abschließend geregelt. Maßgeblich ist immer der Inhalt der jeweiligen Garantiebedingungen. Garantiegeber können nicht nur der Hersteller, sondern auch der Verkäufer oder dritte Personen sein (z.B. bei Handyschutzbriefen).

Eine weit verbreitete Garantieform ist die Herstellergarantie (bzw. „Haltbarkeitsgarantie“), wonach der Hersteller für eine bestimmte Haltbarkeit des Artikels einsteht.

Häufig ergeben sich aus der Garantie folgende Ansprüche des Käufers:

  • Kostenloser Austausch oder Nachbesserung der Sache
  • Erstattung des Kaufpreises
  • Erbringung von anderweitigen Dienstleistungen

Kann man sich noch auf die Gewährleistung berufen, wenn eine Garantie besteht?

Ja. Durch eine Garantie werden die gesetzlichen Mängelansprüche nicht berührt, wie § 443 Abs. 1 BGB klarstellt. Der Käufer kann somit zwischen den „einfachen“ Gewährleistungsansprüchen und den Garantieansprüchen wählen.

Wie lange gilt eine Garantie?

Auch das hängt von den jeweiligen Garantiebedingungen ab. Bei Elektronikartikeln gewährt der Hersteller häufig zwei Jahre Garantie. Da bei solchen Artikeln auch die Verjährungsfrist für Gewährleistungsansprüche zwei Jahre beträgt, werden Garantie und Gewährleistung in diesem Bereich häufig verwechselt bzw. vermengt.

Je nach Produkt sind auch Garantien über mehrere Jahrzehnte üblich (z.B. bei Terrassendielen).

Was müssen Händler bei Werbung mit Garantien berücksichtigen?

Bei einem Verbrauchsgüterkauf (Verbraucher kauft von einem Unternehmer eine bewegliche Sache) müssen Verkäufer die Vorschrift des § 477 BGB beachten. Demnach muss die Garantieerklärung

  • einfach und verständlich abgefasst sein;
  • den Hinweis auf die gesetzlichen Rechte des Verbrauchers enthalten sowie darauf, dass sie durch die Garantie nicht eingeschränkt werden;
  • den Inhalt der Garantie enthalten und alle wesentlichen Angaben, die für die Geltendmachung der Garantie erforderlich sind, insbesondere die Dauer und den räumlichen Geltungsbereich des Garantieschutzes sowie Namen und Anschrift des Garantiegebers.

Der Verbraucher kann verlangen, dass ihm die Garantieerklärung in Textform mitgeteilt wird.

Zusammenfassung: Gewährleistung

Unter Gewährleistung versteht man die gesetzlichen Ansprüche des Käufers bei Erhalt einer mangelhaften Kaufsache. Die Gewährleistungsansprüche ergeben sich direkt aus dem Gesetz (§§ 437 ff. BGB), eine Vereinbarung ist nicht erforderlich. Die Ansprüche aus der Gewährleistung richten sich ausschließlich gegen den Verkäufer. Der Verkäufer schuldet im Rahmen der Gewährleistung nur die Verschaffung einer mangelfreien Sache (§ 433 Abs. 1 S. 2 BGB).

Zusammenfassung: Garantie

Unter einer Garantie versteht man eine zusätzliche, über die gesetzliche Gewährleistung hinausgehende Leistung des Garantiegebers. Garantiegeber kann der Hersteller, der Verkäufer oder ein Dritter sein. Die Garantieansprüche ergeben sich aus der jeweiligen Garantievereinbarung. Bei der Garantie sichert der Garantiegeber regelmäßig eine bestimmte Haltbarkeit zu („Herstellergarantie“ oder „Haltbarkeitsgarantie“, z.B. „12 Jahre gegen Durchrostung).

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