GmbH Bürgschaft – Wie haften Gesellschafter untereinander?

Wie haften mehrere GmbH-Gesellschafter untereinander, die zugunsten einer GmbH eine Bürgschaft aufgenommen haben? Dies erfahren Sie in diesem Beitrag anhand eines Falls aus unserer Kanzlei.

Falls Sie weitergehende Beratung zum Thema „GmbH Bürgschaft“ benötigen, rufen Sie mich gerne an oder schreiben Sie mir eine E-Mail.


GmbH Bürgschaft- Der Hintergrund

Die Bonität einer GmbH wird von Kreditgebern häufig schlechter als die von natürlichen Personen bewertet. Schließlich haftet die GmbH nur mit dem Gesellschaftsvermögen und das Mindestkapital für eine GmbH-Gründung liegt „nur“ bei 25.000 €.

Daher bestehen viele Kreditgeber, die ein Darlehen an eine GmbH (oder eine UG) vergeben, auf persönlichen Bürgschaften der Gesellschafter.

Greift der Kreditgeber dann auf einen Gesellschafter als Bürgen zurück, stellt sich für den betroffenen Gesellschafter die Frage, inwieweit er seine Mitgesellschafter in Anspruch nehmen kann.

GmbH Bürgschaft – Unser Fall

Unsere Mandantin war zusammen mit einer anderen Mitgesellschafterin an einer UG („Mini-GmbH“) mit einem Geschäftsanteil von 1,00 € (also 25 %) beteiligt. Die Mitgesellschafterin war mit einem Geschäftsanteil in Höhe von 3,00 € (also von 75 %) beteiligt.

Die Gesellschaft nahm bei einer Bank ein Darlehen in Höhe von 10.000,00 € auf. Unsere Mandantin sowie ihre Mitgesellschafterin übernahmen zur Sicherung dieses Darlehens als Mitbürgen eine Höchstbetragsbürgschaft über jeweils 10.000,00 €.

Nachdem die Darlehensverbindlichkeiten von der Gesellschaft nicht beglichen werden konnten, nahm die Bank unsere Mandantin aus der Bürgschaft in Anspruch. Unsere Mandantin zahlte daraufhin den geforderten Betrag.

Die Rechtslage im Innenverhältnis

Unsere Mandantin hatte gemeinsam mit ihrer Mitgesellschafterin als Mitbürgin eine Bürgschaft gegenüber der kreditgebenden Bank abgegeben. Im Innenverhältnis bestimmt sich der Ausgleich daher nach §§ 774 Abs. 2, 426 BGB:

§ 774 Abs. 2 BGB:

„Mitbürgen haften einander nur nach § 426.“

§ 426 BGB:

„(1) Die Gesamtschuldner sind im Verhältnis zueinander zu gleichen Anteilen verpflichtet, soweit nicht ein anderes bestimmt ist. Kann von einem Gesamtschuldner der auf ihn entfallende Beitrag nicht erlangt werden, so ist der Ausfall von den übrigen zur Ausgleichung verpflichteten Schuldnern zu tragen.

(2) Soweit ein Gesamtschuldner den Gläubiger befriedigt und von den übrigen Schuldnern Ausgleichung verlangen kann, geht die Forderung des Gläubigers gegen die übrigen Schuldner auf ihn über. Der Übergang kann nicht zum Nachteil des Gläubigers geltend gemacht werden.“

Es handelt sich dabei um ein selbstständiges Ausgleichsverhältnis. Ist der Gläubiger von einem Mitbürgen befriedigt worden, so folgt aus dem Ausgleichsverhältnis zwischen gleichrangigen Mitbürgen, dass die erbrachte Leistung gem. §§ 774 Abs. 2, 426 BGB anteilig auf alle zu verteilen ist (vgl. BGH NJW 1986, 978 (979) = WM 1986, 170; 1987, 374 (376) = WM 1986, 1550; 2000, 1034 (1035) = WM 2000, 408.).

GmbH Bürgschaft – Wer muss welchen Anteil tragen?

Soweit nichts anderes bestimmt ist, erfolgt der Ausgleich zwischen Mitbürgen nach Kopfteilen. Das ergibt sich aus § 426 Abs. 1 Satz 1 BGB.

In unserem Fall wurde das Darlehen für die Gesellschaft aufgenommen. Die Beklagte war an dieser Gesellschaft stärker beteiligt als unsere Mandantin (zu 75 %). Nach der Rechtsprechung haften die Gesellschafter in einem solchen Fall nicht nach Kopfteilen, sondern im Zweifel nach dem Verhältnis ihrer Geschäftsanteile (vgl. Nobbe, in: Schimansky/Bunte/Lwowski, Bankrechts-Handbuch, 5. Auflage 2017, § 91 Rnr. 473 m.w.N.).

Somit musste die Mitgesellschafterin unserer Mandantin im Wege des Gesamtschuldnerausgleichs einen Betrag in Höhe von 7.327,11 € erstatten (3/4 der von unserer Mandantin geleisteten Bürgschaftszahlung) und wurde auch dementsprechend verurteilt.