Haftung des Reiseveranstalters für unzureichende Informationen des Reisebüros

Das Oberlandesgericht Celle hat entschieden, dass ein Reiseveranstalter den Reisenden bei Buchung einer Auslandsreise grundsätzlich ungefragt über die geltenden Einreisebestimmungen zu unterrichten hat. Dabei müsse sich der Reiseveranstalter grundsätzlich auch alle unrichtigen Erklärungen von vermittelten Reisebüros zurechnen lassen. Das gelte grundsätzlich auch dann, wenn das Reisebüro dem Reisenden einen Reiseprospekt übergibt, welcher im Anhang die zutreffenden Informationen erhält, diese Prospektinformationen jedoch nicht Gegenstand der Beratung waren. Es gelte dann der Vorrang des gesprochenen Wortes.

Im entschiedenen Fall konnten der Kläger und seine Lebensgefährtin eine Reise nicht antreten, weil der Kläger von dem Reisebüro, bei dem er die Reise gebucht hatte, unzutreffend über die für das Reiseziel maßgeblichen Einreisebestimmungen informiert wurde. Dem Kläger und seiner Lebensgefährtin wurde erklärt, dass eine Einreise in das Zielland für Bürger eines Mitgliedsstaats der Europäischen Union allein mit einem Personalausweis möglich sei. Dies war jedoch unzutreffend.

Das Gericht entschied, dass der Reisende darauf vertrauen dürfe, dass der Veranstalter alles zur erfolgreichen Durchführung der Reise Erforderliche unternimmt und ihn, soweit eine Mitwirkung des Reisenden notwendig ist, rechtzeitig darauf hinweist. Es gehöre zu den Hauptpflichten des Veranstalters, den Reisenden bei der Buchung darauf hinzuweisen, dass bestimmte  Reiseurkunden (z.B. Pass, Visum, Impfbescheinigung) mitgeführt werden müssen, wenn die Nichtbeachtung solcher Einreisebestimmungen die Reise vereiteln oder beeinträchtigen kann (vgl. dazu BGH, Urteil vom 17. Januar 1985 – VII ZR 375/83).

(OLG Celle, Urteil vom 06.08.2020 – 11 U 113/19)