Inkasso durch Rechtsanwalt

Unternehmer sollten bei der Durchsetzung offener Rechnungen keine unnötige Zeit verstreichen lassen. Solange noch kein Insolvenzverfahren über das Vermögen des Kunden eröffnet wurde, besteht faktisch ein „Wettlauf der Gläubiger“. Wer seine Forderung zuerst tituliert und nötigenfalls zwangsvollstreckt, hat letztlich bessere Chancen, noch an sein Geld zu kommen.

Als Rechtsanwalt übernehme ich gerne auch für Ihr Unternehmen das Inkasso offener Rechnungen. In einfach gelagerten Fällen können auch günstige Pauschalhonorare vereinbart werden. Bei Interesse nehmen Sie gerne Kontakt mit mir auf.

An wen sollte man sich bei offenen Rechnungen wenden? An ein Inkassounternehmen oder an einen Rechtsanwalt?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten, sondern hängt letztlich vom Verhalten des Schuldners ab.

Wenn Sie als Unternehmer offene Rechnungen eintreiben wollen, steht es Ihnen grundsätzlich frei, ob Sie ein Inkassounternehmen oder einen Rechtsanwalt mit der Durchsetzung Ihrer offenen Forderung beauftragen. Die Entscheidung für ein Inkassounternehmen oder einen Rechtsanwalt ist jedenfalls in den Fällen unproblematisch, in denen die Forderung an sich unbestritten ist.

Anders sieht die Situation aus, wenn der Schuldner die Berechtigung der Forderung aus irgendwelchen Gründen bestreitet, z.B. weil ein anderer Preis vereinbart worden sein soll oder weil der Unternehmer angeblich seine Leistung schlecht ausgeführt hat. In diesen Fällen ist der Unternehmer gut beraten, direkt einen Rechtsanwalt mit der Durchsetzung der Forderung zu beauftragen.

Warum sollte man bei streitigen Forderungen direkt einen Rechtsanwalt mit der Durchsetzung seiner Forderung beauftragen?

Dafür gibt es mehrere Gründe. Zunächst ist in solchen Fällen ja zu erwarten, dass der Schuldner sich gegen die Forderung wehren wird, notfalls gerichtlich. Im Gerichtsprozess wird der Schuldner voraussichtlich Einwendungen gegen die Forderung geltend machen. Der Unternehmer muss solche Einwendungen dann entkräften und hierzu entsprechend vortragen und argumentieren. Das wiederum ist die typische Aufgabe für einen Rechtsanwalt.

Außerdem gilt bei der Einschaltung von Inkassounternehmen und Rechtsanwälten das Gebot der Erforderlichkeit und Zweckmäßigkeit. Die Einschaltung eines Inkassounternehmens bzw. eines Rechtsanwalts muss zum Zeitpunkt der Beauftragung („ex-ante-Sicht“) erforderlich und zweckmäßig gewesen sein (vgl. BGH, Urteil vom 09. März 2011 – VIII ZR 132/10). Wenn schon vor Beauftragung klar ist, dass der Schuldner die Forderung bestreitet und daher eine Prozessvertretung durch einen Rechtsanwalt notwendig ist, kann der Unternehmer nicht vorab ein Inkassounternehmen einschalten. Also einschalten kann der Gläubiger ein Inkassounternehmen schon, aber er kann später keine Kosten hierfür erstattet verlangen. Denn in einem solchen Fall produziert die Einschaltung eines Inkassounternehmens unnötige vermeidbare Kosten. Hinzu kommt auch, dass ein Rechtsanwalt die Gebühren für Mahnschreiben und Tätigkeiten im Mahnverfahren auf spätere Prozessgebühren anrechnen muss.

Als Fazit lässt sich daher festhalten:

Ist die Forderung unbestritten, kann sich der Unternehmer aussuchen, ob er ein Inkassounternehmen oder einen Rechtsanwalt einschalten möchte. Wird die Forderung vom Schuldner allerdings bestritten, sollte der Unternehmer direkt einen Rechtsanwalt mit der weiteren Durchsetzung beauftragen.

Wer muss die Kosten für das Inkasso durch einen Rechtsanwalt übernehmen?

Wenn sich der Schuldner mit einer berechtigten Forderung in Verzug befindet, muss er auch die Rechtsanwaltskosten für das Inkasso übernehmen (BGH, Urteil vom 17. September 2015 – IX ZR 280/14). Der Gläubiger hat also einen Kostenerstattungsanspruch gegen den Schuldner. Die Inkassogebühren werden daher direkt beim Schuldner zusammen mit der Hauptforderung angefordert.

Kommt es zum Prozess, fällt das Gericht im Urteil eine Kostenentscheidung. Diese richtet sich nach dem Erfolgsanteil in der Hauptsache. Wenn das Gericht dem Gläubiger die eingeklagte Forderung voll zuspricht, muss der Schuldner sämtliche Kosten des Verfahrens tragen.

Wie läuft das Inkasso durch einen Rechtsanwalt ab?

Das Anwaltsinkasso beginnt regelmäßig mit einem außergerichtlichen Forderungsschreiben an den Schuldner. Häufig zeigt dies schon die gewünschte Wirkung und der Schuldner zahlt. Durch ein Anwaltsschreiben begreift der Schuldner nämlich, dass die Forderung mit Nachdruck betrieben wird und der Unternehmer seine Rechnung nicht auf sich beruhen lassen möchte.

Kann der Schuldner die Forderung nicht auf einmal bezahlen, bietet sich in diesem Stadium auch der Abschluss einer rechtssicheren Ratenzahlungsvereinbarung an.

Zeigt das außergerichtliche Mahnschreiben nicht die gewünschte Wirkung, wird regelmäßig als nächstes ein gerichtliches Mahnverfahren eingeleitet. Die hierfür erforderlichen Formalitäten werden vom Rechtsanwalt übernommen. Alternativ können Sie das Mahnverfahren selbst durchführen und den Rechtsanwalt erst nach einem Widerspruch des Schuldners mit dem Hauptsacheverfahren beauftragen.

Dem Schuldner wird im Mahnverfahren zunächst ein gerichtlicher Mahnbescheid zugestellt. Widerspricht der Schuldner nicht innerhalb von zwei Wochen dem Mahnbescheid, wird als nächstes ein Vollstreckungsbescheid beantragt. Gegen diesen kann der Schuldner als letzte Möglichkeit Einspruch innerhalb von zwei Wochen nach Zustellung einlegen. Legt der Schuldner keinen Einspruch ein, wird der Vollstreckungsbescheid rechtskräftig. Der rechtskräftige Vollstreckungsbescheid ist dann der gerichtliche Titel zur Durchführung der Zwangsvollstreckung.

Legt der Schuldner Widerspruch gegen den Mahnbescheid bzw. Einspruch gegen den Vollstreckungsbescheid ein, geht die Sache in ein reguläres Klageverfahren vor Gericht über und wird dort weiterverhandelt.

In manchen Fällen erscheinen außergerichtliche Mahnschreiben oder das Betreiben des Mahnverfahrens von vornherein aussichtslos, zum Beispiel wenn der Schuldner die Zahlung von Beginn an unter Verweis auf vermeintliche Einreden verweigert. Dann bietet es sich an, direkt Klage gegen den Schuldner zu erheben, zumal sonst möglicherweise nicht alle vorgerichtlichen Anwaltskosten erstattungsfähig sind.

Am Ende des Rechtsstreits ergeht dann ein Urteil oder die Parteien schließen einen gerichtlichen Vergleich. Aus dem Urteil bzw. dem Vergleich kann dann die Zwangsvollstreckung betrieben werden, wenn der Schuldner weiterhin nicht zahlungsfähig oder zahlungswillig ist.

Wie wird die Zwangsvollstreckung betrieben?

Mögliche Mittel der Zwangsvollstreckung sind zum Beispiel die Pfändung von Arbeitseinkommen oder Kontoguthaben, die Zwangsversteigerung von Grundstücken oder die Pfändung von beweglichen Gegenständen (zum Beispiel Kraftfahrzeugen). Die Zwangsvollstreckung aus einem gerichtlichen Titel (Vollstreckungsbescheid, Urteil) ist übrigens mindestens 30 Jahre lang möglich (§ 197 BGB), solange kein Insolvenzverfahren über den Schuldner eröffnet wird.