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Sebastian Hofauer, LL.M.

Rechtsanwalt

Kostenlose Erstberatung vom Rechtsanwalt und was davon zu halten ist

Viele Rechtsanwälte und Anwaltskanzleien werben heute mit „kostenloser Erstberatung“ oder einer „kostenlosen Prüfung Ihres Falles“. Das gilt besonders für typische Verbraucherthemen wie z.B. Kapitalanlagen oder Abmahnungen. Ich biete aus folgenden Gründen keine kostenlose Beratung an:

Werbung mit kostenloser Erstberatung ist berufsrechtlich sicherlich zulässig, zumal es nach dem RVG keine gesetzlich vorgeschriebenen Mindestgebühren für eine anwaltliche Erstberatung gibt.

Gegen eine kostenlose Erstberatung ist grundsätzlich auch nichts einzuwenden, wenn sie seriös erfolgt und dem Mandanten seine Erfolgsaussichten ehrlich präsentiert werden. Ich persönlich habe allerdings meine Zweifel, dass dies immer beherzigt wird. Häufig scheint das Angebot einer kostenlosen Erstberatung allein dem Zweck zu dienen, Fälle für einen anschließenden Rechtsstreit zu akquirieren. Das Ergebnis der anwaltlichen Erstberatung läuft dann häufig wohlwollend darauf hinaus, dass der Mandant einen Prozess führen sollte. Wenn noch eine Rechtsschutzversicherung besteht, umso besser. Ob der Prozess dann überhaupt Erfolgsaussichten hat, steht auf einem anderen Blatt.

Mandanten sollten sich den wirtschaftlichen Interessenkonflikt vor Augen führen, den eine kostenlose Erstberatung mit sich bringt. Hierzu folgendes Beispiel:

Ein Mandant überlegt, seine Bank wegen einer nachteiligen Anlageempfehlung auf Schadensersatz zu verklagen. Eigentlich spricht vieles dagegen: Der Mandant ist eigentlich ein erfahrener Anleger und hat keine Zeugen. Er hat auch schriftliche Formulare unterzeichnet, die auf Risiken hinweisen. Außerdem hat der Mandant bereits seit vielen Jahren diverse Rundschreiben von Anwälten erhalten, die auf Risiken dieser Kapitalanlage hinweisen. Es steht also auch eine drohende Verjährung im Raum.

Der Anwalt müsste den Mandanten also eigentlich auf das erhebliche Prozessrisiko hinweisen, ggf. sogar von einer Klageerhebung abraten. Wenn er nun diese Vorprüfung (wozu ja auch Unterlagen durchgesehen werden müssen) kostenlos anbietet, macht er in solchen Fällen ein Minusgeschäft, denn er erbringt seine Arbeitszeit komplett umsonst. Lukrativer wäre es für ihn, zur Klageerhebung zu raten, denn an dieser verdient der Anwalt – unabhängig vom Prozessausgang – seine Gebühren für die gerichtliche Vertretung.

Ich persönlich halte es daher für zielführender, auch die Beratung bzw. Prüfung der Erfolgsaussichten angemessen zu bepreisen. Dadurch entsteht kein übermäßiger Anreiz, Empfehlungen in eine bestimmte Richtung abzugeben.

Mandanten sollten all dies berücksichtigen, wenn sie sich über ihren Fall beraten lassen wollen. Oder um es mit einem kölschen Sprichwort zusammenzufassen:

„wat nix kost, dat is nix“