Wer vom Autokaufvertrag zurücktritt, muss Nutzungsentschädigung zahlen

Nutzungsentschädigung
© Björn Wylezich / Fotolia.com

Bei einem Rücktritt vom Autokaufvertrag muss der Käufer nicht nur das Fahrzeug zurückgeben. Er muss sich auch eine Nutzungsentschädigung für die zwischenzeitlich gefahrenen Kilometer anrechnen lassen. Diese Nutzungsentschädigung wird von dem zu erstattenden Kaufpreis abgezogen, das heißt der Käufer erhält weniger Geld zurück, als er beim Kauf an den Autoverkäufer gezahlt hat. Hier finden Sie die wichtigsten Fragen und Antworten zu dieser Thematik.

Brauchen Sie weitere Hilfe? Klicken Sie hier:

Warum muss der Käufer Nutzungsentschädigung zahlen?

Der Grundgedanke bei der Nutzungsentschädigung ist folgender: Der Käufer hat ein Fahrzeug mit einer bestimmten zu erwartenden Gesamtkilometerleistung zu einem bestimmten Kaufpreis erhalten. Bei Rückabwicklung muss er dem Verkäufer den Verlust an verbleibenden Gesamtkilometern erstatten. Da die Fahrleistung nicht rückgängig gemacht werden kann, ist hierfür Geldersatz anzusetzen.

Wie wird die Nutzungsentschädigung bei Neuwagen berechnet?

Die Nutzungsentschädigung berechnet sich bei einem Neuwagen nach folgender Formel:

(Bruttokaufpreis) x (Anzahl gefahrener Kilometer): (Gesamtlaufleistung in Kilometern)

Beispiel:

Ein Fahrzeug hat 30.000 € inklusive Mehrwertsteuer gekostet. Der Käufer ist mit diesem Fahrzeug zwischenzeitlich 50.000 Kilometer gefahren. Die zu erwartende Gesamtlaufleistung beträgt 200.000 Kilometer.

Die Nutzungsentschädigung beträgt: 30.000 € x 50.000 km: 200.000 km = 7.500 €.

Wie wird die Nutzungsentschädigung bei Gebrauchtwagen berechnet?

Beim Gebrauchtwagenkauf muss die obenstehende Formel natürlich angepasst werden, da der Käufer ja ein bereits gefahrenes Fahrzeug erwirbt. Die zu erwartende Gesamtlaufleistung ist daher durch die zu erwartende Restlaufleistung ab Kauf.

Die Nutzungsentschädigung berechnet sich bei einem Gebrauchtwagen demnach nach folgender Formel:

(Bruttokaufpreis) x (Anzahl gefahrener Kilometer): (Gesamtlaufleistung in Kilometern – Tachostand bei Kauf)

Beispiel:

Ein Gebrauchtfahrzeug hat 20.000 € inklusive Mehrwertsteuer gekostet und hatte beim Kauf einen Kilometerstand von 25.000 Kilometern. Der Käufer ist mit diesem Fahrzeug zwischenzeitlich weitere 50.000 Kilometer gefahren. Die zu erwartende Gesamtlaufleistung des Fahrzeugs beträgt 200.000 Kilometer.

Die Nutzungsentschädigung beträgt: 20.000 € x 50.000 km: (200.000 km – 25.000 km) = 5.714,29 €.

Was hat es mit der 0,67-Pauschale bei Neufahrzeugen auf sich?

Bei Neufahrzeugen wurde in der Vergangenheit die Nutzungsentschädigung zwecks Vereinfachung häufig mit der „0,67-Pauschale“ berechnet. Demnach soll die Nutzungsentschädigung 0,67 Prozent des Neupreises pro gefahrenen 1.000 km betragen. Diese Pauschale geht letztlich von einer zu erwartenden Gesamtlaufleistung in Höhe von 150.000 Kilometern aus.

Da moderne Fahrzeuge mit modernen Motoren aber häufig länger halten, weichen Gerichte vermehrt von der 0,67-Pauschale ab und setzen stattdessen eine höhere Gesamtlaufleistung an (vgl. z.B. OLG Stuttgart, Teilurteil vom 09. Juli 2014 – 3 U 226/13).

Muss eine Nutzungsentschädigung auch bei Rückabwicklung nach arglistiger Täuschung gezahlt werden?

Auch ein arglistig getäuschter Autokäufer muss grundsätzlich für jeden gefahrenen Kilometer Nutzungsentschädigung leisten.

Rechtsprechung zur Gesamtlaufleistung

In folgenden Fällen wurde von einer Gesamtlaufleistung von 250.000 Kilometern ausgegangen:

  • Audi A6 mit Dieselmotor EA 189 (LG Krefeld, Urteil vom 14. September 2016 – 2 O 72/16)
  • Audi A1 mit Dieselmotor EA 189 (LG Krefeld, Urteil vom 14. September 2016 – 2 O 83/16)
  • Seat Alhambra Diesel (LG Oldenburg (Oldenburg), Urteil vom 01. September 2016 – 16 O 790/16)
  • BMW 520d (OLG Düsseldorf, Urteil vom 18. August 2016 – I-3 U 20/15, 3 U 20/15)
  • Audi A3 2,0 TDI (LG Frankenthal, Urteil vom 12. Mai 2016 – 8 O 208/15)
  • Volvo V 50 2.0 Momentum Diesel (Schleswig-Holsteinisches Oberlandesgericht, Urteil vom 02. Oktober 2015 – 17 U 43/15)
  • Porsche 911 996 Carrera 4 (LG Bielefeld, Urteil vom 23. Dezember 2014 – 6 O 353/13)
  • Chevrolet Orlando 1.8 (LG Berlin, Urteil vom 31. Juli 2014 – 5 O 90/13)
  • Dodge Nitro SXT 4 x 4 2.8 CRD 5 AT (LG Dortmund, Urteil vom 02. Oktober 2014 – 18 O 120/11)
  • Chevrolet Avalanche Z71 (OLG Karlsruhe, Urteil vom 14. Januar 2014 – 9 U 233/12)
  • Opel Zafira (LG Düsseldorf, Urteil vom 04. Oktober 2013 – 6 O 247/10)
  • Alfa Romeo 159 (KG Berlin, Urteil vom 03. Juni 2013 – 25 U 49/12)
  • Fiat Ducato Diesel (LG Bremen, Urteil vom 28. Januar 2013 – 2 O 1795/11)
  • Opel Corsa D 1, 2 i (LG Hamburg, Urteil vom 22. Juni 2012 – 323 O 230/10)
  • Porsche Panamera Turbo (LG Arnsberg, Urteil vom 09. März 2012 – 2 O 326/10)
  • Mercedes Benz ML 400 CDI ,,Brabus“ (OLG Düsseldorf, Urteil vom 29. November 2011 – I-1 U 141/07, 1 U 141/07)
  • Fahrzeug der Mittelklasse, ausgestattet mit einem Dieselmotor (LG Dessau-Roßlau, Urteil vom 24. Februar 2012 – 2 O 126/09)
  • Landrover Range Rover (LG Koblenz, Urteil vom 28. Juni 2012 – 1 O 447/10)

Eine Gesamtlaufleistung von 200.000 Kilometern wurde in folgenden Fällen angenommen:

  • Skoda Fabia 1,6 TDI (LG Braunschweig, Urteil vom 12. Oktober 2016 – 4 O 202/16)
  • Opel Tigra 1,4 l, 16 v (LG Heidelberg, Urteil vom 28. Januar 2015 – 1 S 22/13)
  • PKW Hyundai ix35 (LG Nürnberg-Fürth, Urteil vom 06. Juni 2014 – 12 O 8712/12)
  • BMW M3 (343 PS) (OLG Hamm, Urteil vom 01. April 2014 – I-28 U 85/13, 28 U 85/13)
  • Kia Sorento VGT (Schleswig-Holsteinisches Oberlandesgericht, Urteil vom 15. März 2012 – 5 U 103/11)
  • Reisemobil (OLG Hamm, Urteil vom 10. März 2011 – 28 U 131/10, I-28 U 131/10)

Dagegen ging das OLG Braunschweig bei einem Audi A 4 Avant 3.0 Quattro TDI von einer Gesamtlaufleistung i.H.v. 300.000 Kilometern aus (OLG Braunschweig, Urteil vom 06. November 2014 – 8 U 163/13).

Bei einem Toyota Yaris 1.33 Multi Mode Edition unterstellte das OLG München einen Nutzungsersatz i.H.v. 0,75 % des Kaufpreises je 1.000 gefahrene Kilometer, was einer Gesamtlaufleistung von etwa 133.000 Kilometern entspricht (OLG München, Urteil vom 10. April 2013 – 20 U 4749/12).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.