OLG Nürnberg: Bedienung des Infotainmentsystems bei 200 km/h grob fahrlässig

Wer mit einem Mietwagen bei 200 km/h das Infotainmentsystem bedient und deswegen einen Unfall verursacht, der muss mit einer anteiligen Haftung rechnen. Das ergibt sich aus einer Entscheidung des Oberlandesgerichts Nürnberg vom 2. Mai 2019.

In dem entschiedenen Fall stritt sich der Mieter eines Mietwagens mit der Autovermieterin um die hälftige Übernahme der Kosten für einen Verkehrsunfall. Die Autovermieterin war der Auffassung, dass der Fahrer grob fahrlässig gehandelt habe, weil er bei Tempo 200 das Infotainmentsystem bedient hat und es in diesem Zusammenhang zu einem Unfall kam.

Das Oberlandesgericht Nürnberg gab der Autovermietung Recht. Es stellte fest, dass bei Tempo 200 vollste Konzentration nötig sei und der Fahrer deshalb die im Verkehr erforderliche Sorgfalt in ungewöhnlich hohen Maße verletzt habe. Ein Verkehrsteilnehmer, der schneller als Autobahnrichtgeschwindigkeit fahre, müsse in besonderer Weise seine volle Konzentration auf das Führen des Fahrzeuges richten. Je höher die Überschreitung der Autobahnrichtgeschwindigkeit sei, desto höher seien die Anforderungen an die Konzentration des Fahrzeugführers. Dementsprechend stellte das Oberlandesgericht Nürnberg eine objektiv schwere und unentschuldbare Pflichtverletzung fest.

(OLG Nürnberg, Urteil vom 02.05.2019, Az. 13 U 1296/17)