Privatkredit zurückfordern – Darauf sollte man achten

Es kommt immer wieder vor, dass mich Mandanten damit beauftragen, einen Privatkredit zurückzufordern, weil der Darlehensnehmer das Darlehen nicht wie vereinbart zurückzahlt. Hierbei sind einige wichtige Punkte zu beachten, damit für den Darlehensgeber keine unnötigen Kosten oder Überraschungen entstehen.

Falls Sie bei der Rückforderung eines Privatkredits anwaltliche Unterstützung benötigen, können Sie sich gerne unverbindlich an mich wenden.

Privatkredit muss häufig erst gekündigt werden

Im Bekannten- oder Freundeskreis wird Geld häufig „bis auf weiteres“ geliehen.

Mit anderen Worten, ein konkreter Zeitpunkt für die Rückzahlung des Privatkredits wurde überhaupt nicht vereinbart.

In solchen Fällen kann der Darlehensgeber das Darlehen nicht sofort zurückfordern. Dann gilt nämlich § 488 Abs. 3 BGB:

„Ist für die Rückzahlung des Darlehens eine Zeit nicht bestimmt, so hängt die Fälligkeit davon ab, dass der Darlehensgeber oder der Darlehensnehmer kündigt. Die Kündigungsfrist beträgt drei Monate. Sind Zinsen nicht geschuldet, so ist der Darlehensnehmer auch ohne Kündigung zur Rückzahlung berechtigt.“

Der Darlehensnehmer hat nach Kündigung dann laut Gesetz noch drei Monate Zeit, das offene Darlehen zurückzuzahlen.

Es besteht zwar grundsätzlich auch die Möglichkeit, einen Privatkredit fristlos zu kündigen, §§ 490, 314 BGB. Dafür muss allerdings ein „wichtiger Grund“ vorliegen, der nicht immer ohne weiteres anzunehmen ist. Als wichtiger Grund ist zwar auch die ausbleibende Zahlung von vertraglich geschuldeten Zinsen bzw. Raten denkbar. Jedoch berechtigt nicht jeder Zahlungsverzug automatisch zur außerordentlichen Kündigung.

Einen Orientierungspunkt liefern die Vorschriften des § 543 Abs. 2 Nr. 3 lit. a und § 498 Abs. 1 Nr. 1 BGB. Demnach kann eine fristlose Kündigung des Darlehens zulässig sein, wenn der Darlehensnehmer mit mindestens zwei vollen, aufeinanderfolgenden Zins- bzw. Ratenzahlungen in Verzug gerät (vgl. z.B. BGH, Urteil vom 01.10.1987 – III ZR 175/86; BGH, Urteil vom 19.09.1985 – III ZR 213/83). Das setzt allerdings voraus, dass bei Überlassung des Privatkredits eine Rückzahlung in Raten vereinbart wurde und dies notfalls bewiesen werden kann.

Immer hilfsweise die ordentliche Kündigung des Darlehens erklären!

Aus den oben genannten Gründen sollte ein Privatkredit immer hilfsweise ordentlich gekündigt werden. Der Darlehensnehmer hat dann höchstens drei Monate Zeit, das offene Darlehen zurückzuzahlen. Nach Ablauf dieser Frist kommt der Darlehensnehmer auf jeden Fall in Verzug. Das ist auch für die Erstattung von Anwaltskosten relevant: Der Darlehensgeber kann nämlich regelmäßig erst bei Verzug des Darlehensnehmers Anwaltskosten für die Rückforderung erstattet verlangen.

Zugang der Kündigung muss nachgewiesen werden

Eine Kündigung stellt rechtlich gesehen eine einseitige, empfangsbedürftige Willenserklärung dar. Wer ein Darlehen kündigt, muss also im Streitfall den Zugang des Kündigungsschreibens beweisen können. Das gilt sowohl für eine ordentliche als auch eine fristlose Kündigung eines Darlehens. Das Kündigungsschreiben sollte also so verschickt werden, dass der Zugang notfalls vor Gericht bewiesen werden kann. Hierfür bieten sich folgende Möglichkeiten an (am besten so viele wie möglich kombinieren):

  • Versand per Einschreiben unter Hinzuziehung von Zeugen (Zeuge liest das Schreiben und gibt das Einschreiben selbst bei der Post auf)
  • Versand per WhatsApp
  • Versand per E-Mail, Zeuge in CC
  • Versand per Faxanschluss mit qualifiziertem Sendebericht

Darüber hinaus besteht auch die Möglichkeit, Schreiben per Gerichtsvollzieher zustellen zu lassen.

Wenn auf eine Kündigung des Darlehens keine Zahlung erfolgt, sollte man sich überlegen, einen Rechtsanwalt zu beauftragen, um seinen Rückzahlungsanspruch durchzusetzen, notfalls gerichtlich. Ohne einen rechtskräftigen Titel kann der Rückzahlungsanspruch nämlich sonst nach drei Jahren verjähren!