Reparatur in eigener KFZ-Werkstatt – Darf die Haftpflichtversicherung den Erstattungsbetrag kürzen?

Wird bei einem Verkehrsunfall das eigene Kraftfahrzeug beschädigt, hat der Geschädigte gegen den Unfallverursacher einen Anspruch auf Erstattung der Reparaturkosten.

Es kommt immer wieder vor, dass der Geschädigte eine eigene Reparaturwerkstatt betreibt und das Fahrzeug dort selbst repariert (Stichwort „Reparatur werkstatteigener Fahrzeuge“). Dann entbrennt immer wieder Streit darüber, ob sich der Geschädigte den Unternehmergewinn vom Erstattungsbetrag abziehen lassen muss. Die KFZ-Haftpflichtversicherer nehmen hierbei teilweise Abzüge in Höhe von 20 % vor.

Grundsatz: Volle Erstattung auch bei Reparatur in eigener Werkstatt

Nach der herrschenden Rechtsprechung hat der Geschädigte grundsätzlich auch dann einen Anspruch auf Ersatz des vollen Wiederherstellungsaufwands, wenn er das beschädigte Fahrzeug in einer eigenen Werkstatt reparieren lässt, und wenn in der für die Reparatur angefallenen Zeit ein anderer Auftrag hätte erledigt werden können.

(vgl. BGH, Urteil vom 19. November 2013 – VI ZR 363/12; BGH, Urteil vom 30. Juni 1997 – II ZR 186/96; BGH, Urteil vom 19. Juni 1973 – VI ZR 46/72; BGH, Urteil vom 26. Mai 1970 – VI ZR 168/68; LG Mühlhausen, Urteil vom 08. November 2011 – 2 S 95/11; AG Marl, Urteil vom 25. März 2010 – 3 C 554/09; AG Halle, Urteil vom 25. September 2008 – 2 C 1115-07; AG Düsseldorf, Urteil vom 03. November 2000 – 39 C 6443/00; LG Wiesbaden, Urteil vom 06. Februar 1991 – 14 O 36/89; LG Heidelberg, Urteil vom 21. August 1990 – 4 S 24/90; AG Ulm, Urteil vom 11. August 1989 – 1 C 1131/89 – 03; LG Bochum, Urteil vom 21. Juni 1989 – 10 S 61/89)

Problem: Darlegungs- und Beweislast

Problematisch ist, wer insoweit die (mangelnde) Auslastung des Reparaturbetriebes beweisen muss. Die ältere Rechtsprechung ging noch davon aus, dass der Geschädigte insoweit vollumfänglich beweispflichtig ist (vgl. z.B. LG Nürnberg-Fürth, Urteil vom 28. September 1988 – 8 S 4444/88).

Nach der neueren Rechtsprechung trifft allerdings insoweit den Schädiger die Beweislast.

(vgl. BGH, Urteil vom 19. November 2013 – VI ZR 363/12; AG Aschaffenburg, Urteil vom 22. September 2015 – 126 C 2089/14; LG Mühlhausen, Urteil vom 08. November 2011 – 2 S 95/11; AG Düsseldorf, Urteil vom 03. November 2000 – 39 C 6443/00; LG Wiesbaden, Urteil vom 06. Februar 1991 – 14 O 36/89; LG Heidelberg, Urteil vom 21. August 1990 – 4 S 24/90)

Der Geschädigte sollte es sich angesichts dessen trotzdem nicht zu einfach machen und einfach behaupten, sein Reparaturbetrieb sei ausgelastet gewesen. Denn nach der Rechtsprechung trifft den Geschädigten insoweit eine so genannte sekundäre Darlegungslast.

(BGH, Urteil vom 19. November 2013 – VI ZR 363/12; AG Altötting, Urteil vom 19. Juni 2015 – 1 C 558/14; AG Chemnitz, Urteil vom 21. März 2014 – 15 C 3153/13; AG Kassel, Urteil vom 23. Juli 2013 – 423 C 315/13)

Hintergrund ist, dass der Unfallverursacher bzw. seine Kfz Haftpflichtversicherung regelmäßig keine Möglichkeit haben, die Auslastung des Reparaturbetriebs überprüfen zu können.

Wer also bei einer Reparatur in der eigenen Kfz Werkstatt keine Abzüge durch die gegnerische KFZ-Haftpflichtversicherung hinnehmen möchte, sollte vorsichtshalber Beweismittel für die Auslastung des Werkstattbetriebs zum Zeitpunkt der Reparatur sammeln. Dazu bieten sich beispielsweise an:

  • Aufzeichnungen in den Auftragsbüchern
  • Aufzeichnungen über die Arbeitszeiten der Mitarbeiter („Stundenzettel“)
  • Aussagen von Mitarbeitern als Zeugen über die Auslastungsituation

Rechtsprechung zum Thema:

  • AG Aschaffenburg, Urteil vom 22. September 2015 – 126 C 2089/14
  • AG Altötting, Beschluss vom 21. November 2014 – 1 C 558/14
  • AG Chemnitz, Urteil vom 21. März 2014 – 15 C 3153/13
  • AG Kassel, Urteil vom 23. Juli 2013 – 423 C 315/13
  • BGH, Urteil vom 19. November 2013 – VI ZR 363/12
  • LG Mühlhausen, Urteil vom 08. November 2011 – 2 S 95/11
  • AG Marl, Urteil vom 25. März 2010 – 3 C 554/09
  • AG Halle, Urteil vom 25. September 2008 – 2 C 1115-07
  • AG Düsseldorf, Urteil vom 03. November 2000 – 39 C 6443/00
  • AG Wittlich, Urteil vom 07. Juli 1992 – 4 C 314/92
  • LG Wiesbaden, Urteil vom 06. Februar 1991 – 14 O 36/89
  • LG Heidelberg, Urteil vom 21. August 1990 – 4 S 24/90
  • OLG Hamm, Urteil vom 18. Dezember 1989 – 6 U 94/89
  • AG Ulm, Urteil vom 11. August 1989 – 1 C 1131/89 – 03
  • LG Bochum, Urteil vom 21. Juni 1989 – 10 S 61/89
  • LG Nürnberg-Fürth, Urteil vom 28. September 1988 – 8 S 4444/88
  • LG Offenburg, Urteil vom 28. März 1988 – 1 S 330/87