Sind vorgerichtliche Rechtsanwaltskosten streitwerterhöhend?

Wenn ein Rechtsanwalt zunächst vorgerichtlich tätig wird, fallen hierfür eigene Gebühren an (z.B. Geschäftsgebühr nach Nr. 2300 VV RVG zuzüglich Telekommunikationspauschale zuzüglich Umsatzsteuer). Führen die vorgerichtlichen Bemühungen des Rechtsanwalts nicht weiter und ist eine Klageerhebung notwendig, wird der Kläger regelmäßig darauf bestehen, die vorgerichtlichen Rechtsanwaltskosten mit einzuklagen. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob die vorgerichtlichen Rechtsanwaltskosten den Streitwert erhöhen.

Hierbei ist zu differenzieren:

Ein zusätzlicher Antrag auf Erstattung vorgerichtlicher Anwaltskosten wirkt sich nicht streitwerterhöhend aus. Wird ein materiellrechtlicher Kostenerstattungsanspruch neben der Hauptforderung, aus der er sich herleitet, geltend gemacht, ist er von dem Bestehen der Hauptforderung abhängig und stellt deshalb eine Nebenforderung im Sinne von § 4 Abs. 1 ZPO dar, die den Streitwert nicht erhöht.

Werden die vorgerichtlichen Anwaltskosten dagegen alleine mit einer Klage geltend gemacht, ist der Streitwert natürlich nicht Null, sondern bemisst sich an der Höhe der Rechnung (netto oder brutto, je nachdem ob Vorsteuerabzugsberechtigung besteht oder nicht).